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Montag, Dezember 13, 2021

Ein Leben für die Freiheit der Frauen (Hafenärztin 1) von Henrike Engel

 

Arbeit im Verborgenen

Die Tochter eines reichen Reeders, Anne Fitzpatrick, widersetzt sich ihrem Vater und setzt auf ihren eigenen Kopf. Willensstark und stur geht sie ihren Weg, im Hamburg des Jahres 1910. Sie arbeitet im Verborgenen für die Unterdrückten, für Frauen, denen es überhaupt nicht gut geht, die misshandelt werden oder ähnlich durch das Raster der Gesellschaft fallen. Anne ist die Hafenärztin. Helene ist ebenfalls eine Tochter, die sich gegen den Vater durchsetzen muss, der puritanische Pastor hat seine Familie fest im Griff. Er kann seiner Tochter zwar nur schwer Wünsche verweigern, jedoch sie müssen in sein Konzept passen. Helene erwirkt, dass sie sich ein halbes Jahr lang sozial engagieren darf. So trifft sie auf Anne und beginnt bei ihr zu arbeiten. An ihrem allerersten Tag im Frauenhaus stößt Helene auf eine Frauenleiche! Kommissar Berthold Rheydt wird der Fall übertragen … vieles deutet auf einen Mord im Milieu hin, doch ist es wirklich so?



Die Autorin Henrike Engel hat ihre einzelnen Szenen der Kapiteln in liebevollen Details beschrieben. Ich komme sehr schnell in die Geschichte herein, die sogleich mit einem Geheimnis startet. Henrike Engel erzählt wie nebenbei über kleine Gesten, die aber so vieles verraten und erahnen lassen. In fantastischer, ausdrucksstarker Sprache verfasst ist dieser erste Band einer Trilogie. Der Schreibstil ist mitreißend und faszinierend, das Lesen macht mich nahezu atemlos. Emotionen jeglicher Art sind in diesem wundervollen Roman vertreten. Leise Töne zum Nachdenken anregend finden sich hier und auf der anderen Seite turbulente und fröhliche Abschnitte, die mich zum Schmunzeln bringen. Dieses Buch unterhält mich stets erstklassig. Die Autorin versteht mich als Leserin mit jedem neuen Schauplatz zu überraschen und zu beeindrucken.
Die Frauenrechte der damaligen Zeit sind herausragend und versiert recherchiert durch die Autorin und sie hat die Situation der Frauen aller Schichten glaubhaft und eindrucksvoll dargestellt. Das Schicksal der Protagonistinnen nimmt mich mit durch die Geschichte, sie sind lebendig und authentisch.


Von Herzen gerne vergebe ich diesem Roman fünf von fünf möglichen Sternen und empfehle ihn absolut weiter! Henrike Engel ist übrigens das Pseudonym einer namhaften Bestsellerautorin! Wie schön, dass es sich bei diesem Band um eine dreiteilige Reihe handelt, da habe ich etwas worauf ich mich wirklich freuen kann. Hier wird der Leser und die Leserin mit einem genialen Genre-Mix belohnt, die Lektüre ist ein wahres Vergnügen und unterhält prächtig. Ein wahres Herzensbuch für mich!

 

Über die Autorin:

Henrike Engel pendelte in ihrem Leben ständig zwischen Berlin und München, mit beiden Städten verbindet sie eine komplizierte Liebesbeziehung. Eines aber ist konstant geblieben: ihre Liebe zu Hamburg! Manche Träume jedoch müssen unerfüllt bleiben, und so hat die ehemalige Drehbuchautorin nicht ihren Wohnort in die Hafenstadt verlegt, sondern träumt sich lieber schreibend dorthin. (Quelle: Ullstein Buchverlage)

 

Original-Klappentext:

Eine Ärztin im Hamburg der Kaiserzeit kämpft für die Rechte der Frauen

Hamburger Hafen, 1910: Anne Fitzpatrick ist voller Hoffnung. Als eine der ersten Ärztinnen Deutschlands hat sie gerade ein Frauenhaus eröffnet. Ihre Mission ist es, Frauen zu helfen, denen Leid zugefügt wurde. Als die couragierte Pastorentochter Helene bei ihr auftaucht und mitarbeiten will, unterstützt Anne die junge Frau in ihrem Wunsch, etwas Sinnvolles zu tun.

Ein einmaliges Leseerlebnis voller Atmosphäre und eine Heldin, die niemand so schnell vergisst.

Da werden neben dem Frauenhaus im Hafenbecken zwei Leichen entdeckt. Anne ist erschüttert. Die Opfer hatten Kontakt zur neuen Frauenbewegung, so wie Anne selbst auch. Die Polizei spielt den Vorfall jedoch als Mord im Milieu herunter. Aber warum ermittelt der wortkarge Kommissar Berthold Rheydt trotzdem weiter? Zusammen mit Helene sucht Anne nach Antworten und gerät dabei in immer größere Gefahr.

Lassen Sie den Alltag hinter sich und tauchen Sie ein in die Kaiserzeit Hamburgs und in das Leben einer außergewöhnlichen Frau.

Die Hafenärztin Anne Fitzpatrick, eine Frau mit dunklem Geheimnis, setzt sich leidenschaftlich für Frauen und Kinder aus schwierigen Verhältnissen ein. Bei ihrer Arbeit stößt sie auf mysteriöse Todesfälle. Das große Lesevergnügen im Hamburg der Kaiserzeit geht weiter:

Band 2: Die Hafenärztin. Ein Leben für das Lachen der Kinder, Mai 2022

Band 3: Die Hafenärztin. Ein Leben für das Recht auf Liebe, November 2022


 

 

 

Mein herzlichster Dank geht an die Ullstein-Buchverlage, die mich am Nikolaus-Tag mit einem Rezensions-Exemplar überrascht haben.

 

 

 

 

Freitag, Juni 11, 2021

Die Totenärztin 1 – Wiener Blut von René Anour

               

 
        
 
 
            Fanny Goldmann, Band 1


Im Jahre 1908 arbeitet die junge Fanny Goldmann als Sektionsgehilfin an der Wiener Gerichtsmedizin. Sie hat ihr Medizinstudium abgeschlossen, doch als Pathologin wollte der Leiter des Instituts sie nicht einstellen. In ihrem Optimismus akzeptiert Fanny die geringere Anstellung, sie hofft, sich beweisen zu können und danach voll akzeptiert zu werden. Sie hat die Pathologie frei gewählt, sie möchte die lezte Fürsprecherin der Toten sein, diejenige, die deren Geheimnis und deren Tod bezeugt und ans Licht bringt. Durch ihre Neugier und ihren Stursinn bringt sie sich jedoch bald in große Gefahr. Kann Fanny sich und ihren Traum retten?





Die Geschichte der Fanny Goldmann zieht mich gleich in den allerersten Zeilen in ihren Bann; Fanny ist eine Person, die ich leicht in mein Leserherz einziehen lassen kann, ich fiebere und leide und freue mich mit ihr mit. In einem angenehm flüssigen Schreibstil hat der Autor René Anour sein Werk verfasst. Die Sprache, die er verwendet ist niveauvoll, anspruchsvoll und trotzdem fällt mir das Lesen leicht. Die Handlung wird in atemraubendem Tempo erzählt, ich schwebe nur so durch die Lektüre. Den hoch angesetzten Spannungsbogen hält René Anour die gesamte Zeit über fest gezurrt. Die genannten medizinischen Details zeigen zum einen Wissen und hervorragende Recherche über die Historie der Medizin auf der anderen Seite. Gleichzeitig peppt der Autor einzelne Szenen mit etwas Humor auf, so dass ich durchaus hin und wieder schmunzeln muss. Die Charaktere sind enorm gut angelegt und völlig glaubwürdig, in ihnen stecken volles Leben und Authentizität. Die Figuren haben Ecken und Kanten und es sind so ziemlich alle Eigenschaften der Menschheit mit ihren Abgründen sowie auch positiven Seiten vertreten. Überhaupt kommen Gefühle nicht zu kurz in diesem historischen Roman. Die Dialoge sind wahrhaft und überzeugend. Alles passt in diesem Roman perfekt ineinander.


Selbstverständlich vergebe ich diesem Buch fünf von fünf möglichen Sternen und empfehle es absolut weiter. Leser und Leserinnen historischer Romane werden es wie ich lieben, denn hier gibt es zum historischen Wiener Lokalkolorit gleichzeitig Einblicke in die Medizingeschichte und obendrauf noch eine Detektivstory geliefert. Ganz nebenbei verkörpert Fanny Goldmann eine starke und mutige Frau, deren Schicksal sicher niemanden kalt lassen wird. Es handelt sich bei dem Buch um Band 1 einer Serie und ich fiebere jetzt schon dem zweiten Band entgegen, der am 19.10.2021 beim Rowohlt Verlag erscheint.


Lieblingszitiat:

„Sie müssen sehr stolz auf Ihre Tochter sein, sie ist eine Pionierin, ein mutiges Vorbild für alle Frauen.“

Kurzmeinung:

Eine atemraubende Detektiv- sowie eine hochwertige historische Geschichte plus Herz aus dem schönen Wien. Unterhaltung pur!

Über den Autoren:

René Anour lebt in Wien. Dort studierte er auch Veterinärmedizin, wobei ihn ein Forschungsaufenthalt bis an die Harvard Medical School führte. Er arbeitet inzwischen bei der österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit und ist als Experte für neu entwickelte Medikamente für die European Medicines Agency tätig. Sein historischer Roman «Im Schatten des Turms» beleuchtet einen faszinierenden Aspekt der Medizingeschichte: den Narrenturm, die erste psychiatrische Heilanstalt der Welt. Sein zweiter Roman bei Rowohlt ist der Auftakt zu einer Reihe um eine junge Pathologin in Wien zu Beginn des 20. Jahrhunderts: «Die Totenärztin». (Quelle: Rowohlt Verlag) 

Homepage des Autoren

Klappentext:

Eine junge Ärztin
Eine heimliche Obduktion
Eine gefährliche Entdeckung

Wien, 1908. Als ein toter Obdachloser in der Gerichtsmedizin eingeliefert wird, schenkt niemand ihm einen zweiten Blick – niemand außer der jungen Ärztin Fanny Goldmann. Ihr fallen Ungereimtheiten auf, aber keiner ihrer männlichen Kollegen will auf sie hören. Daher obduziert sie die Leiche nachts heimlich. Eine gefährliche Entscheidung, denn plötzlich findet sie sich mitten in einer tödlichen Verschwörung rund um einen charismatischen Dieb und Kaiserin Sissis verschwundene Diamantsterne wieder. Ihre Ermittlung führt Fanny von den mondänen Salons und prunkvollen Palais der Oberschicht bis in die schäbigen Spelunken und Bordelle der Wiener Unterwelt. Hier lauert an jeder Ecke der Tod, dessen Opfer Fanny auf ihrem Sektionstisch ihre intimsten Geheimnisse offenbaren ...

Eine atemberaubend spannende Mischung aus Medizinhistorie und Krimi

Der erste Fall für Totenärztin Fanny Goldmann

 

 

Herzlichen Dank an Lovelybooks, den Rowohlt Verlag und den Autoren, für den Erhalt eines Rezensions-Exemplars und dass ich an der Leserunde teilnehmen durfte.



Sonntag, Mai 17, 2015

Die rote Burg - Metropolis Berlin von Oliver Schütte

Ein Cirkus-Mord in den Goldenen Zwanzigern

Featured imageDas Opfer wurde einem Löwen zum Fraß vorgeworfen, wie schrecklich brutal, da könnte man nur wünschen, dass das Opfer zu diesem Zeitpunkt bereits tot war, was aber leider nicht zutrifft, wie der Pathologe später feststellen wird.
Kriminalkommissar Martin Forster soll den Mord im Zirkus aufklären, der sich als Berlins spektakulärster und gleichzeitig als äußerst schwierig aufzuklärender Mordfall entpuppt, der junge Polizist interessiert sich jedoch absolut gar nicht für die Glitzerwelt, in die es nun hinein zu tauchen gilt, ist er doch zu realistisch für solche Reize. Dabei muss allein schon das Gebäude des Cirkus Busch in Berlin tatsächlich mächtig imposant gewesen sein und weltberühmt.
Zunächst einmal sind die Identität des Opfers in diesem sensationellen Fall und somit auch die Motive des Täters völlig unbekannt und der Kreis der Verdächtigen immens groß. Keine leichte Aufgabe also für Martin Forster, noch dazu setzt ihn sein Vorgesetzter Ernst Gennat wegen des Presserummels unangenehm unter Druck, die gierigen Reporter berichten natürlich ausgiebig über den „Löwentoten“.
Zudem muss Forster hinein steigen in die Welt der Ringvereine Berlins, den damaligen kriminellen Vereinigungen, sie existierten in aller Öffentlichkeit und es galt offensichtlich sogar für die gehobene Gesellschaft als schick, Kontakte zu pflegen.
Viele Ermittlungsstränge verlaufen zunächst einmal im Sande, trotzdem ist es spannend zu lesen, wie die Kriminalisten zur damaligen Zeit an einen Kausus heran gegangen sind.
Martin Forster begibt sich dabei sogar auf eher unkonventionelle Wege und ist neuen wie ungewöhnlichen Methoden gegenüber durchaus offen. Auch wenn er sich selbst damit mehr als einmal in die Bredouille bringt.