Donnerstag, August 11, 2016

Denn Engel wohnen nebenan von Ilse Gräfin von Bredow

Rückkehr


Ilse Gräfin von Bredow beginnt ihre Erzählung im Jahre 1994, die Mauer ist gefallen, den eisernen Vorhang gibt es nicht mehr. Sie sitzt zusammen mit ihren restlichen Verwandten und Bekannten ihrer Generation in ihrem Elternhaus und schwelgt mit ihren Lieben in Erinnerungen. Sie ist zurück in der märkischen Heide angelangt, in dem Haus, in dem sie ihre ersten Jahre verbrachte. Nun geht sie in Gedanken zurück ins Jahr 1945, als ihre Flucht begann. Ihren altersschwachen Bernhardiner Möpschen konnte Ilse nicht mitnehmen, ihn musste sie zurücklassen. Der beschwerliche und unsichere Weg in den Westen, zunächst nach Holstein und später in die Nähe Hannovers. Die Gefahren, denen die flüchtenden Menschen ausgesetzt waren. Dann die ersten Nachkriegsjahre, wo noch niemand etwas eigenes hatte, wo die Menschen arm waren, doch das wenige miteinander teilten. Die Selbständigkeit, die die von Bredow Töchter bereits früh erlangten, ihre Unerschrockenheit. Aber auch traurige Erlebnisse, Momente der Angst. An all das erinnert sich Ilse.



In ihrer gewohnt wunderbaren Sprache erzählt Ilse Gräfin von Bredow in ihrem Buch „Denn Engel wohnen nebenan“ aus ihrem Leben, sie tut dies, indem sie mit uns ihre Emotionen und Empfindungen, Erlebnisse teilt, manchmal tiefgründig, dann wieder mit einer Portion feinen Humors. Ihr Schreibstil ist sehr flüssig, das Lesen geht leicht von statten. Mich nimmt die Autorin von der ersten bis zur letzten Seite mit und kann mich durchgehend fesseln. Nur zu gerne lese ich über ihre Geschichte und die Geschichte ihrer Familie und fühle mich an die raren Erzählungen in meiner eigenen Familie erinnert, denn mein Großvater kam aus Pommern.

Von Herzen gerne vergebe ich diesem Buch seine wohlverdienten fünf von fünf möglichen Sternen und empfehle es unbedingt weiter. Leser, die anspruchsvolle wie niveauvolle Familiengeschichten aus Deutschlands schwierigster Zeit schätzen, werden dieses Buch ganz sicher nicht vor dem Ende der Lektüre aus der Hand legen wollen. Ilse Gräfin von Bredow ist eine ausgezeichnete Geschichtenerzählerin, von der ich mich immer wieder gut unterhalten fühlte, leider ist die Autorin 2014 verstorben.

Ganz herzlich möchte ich dem Piper Verlag für die freundliche Bereitstellung meines Rezensionsexemplars danken.


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen