Donnerstag, Februar 24, 2022

Gärten, Gift und tote Männer von Klaudia Blasl

 

Kuschelkrimi im Gärtner-Milieu


Im österreichischen Örtchen Oberdistelbrunn sitzt gerade der heimische Buchzirkel beieinander und möchte eigentlich Jules Vernes 'In 80 Tagen um die Welt' debattieren, als unvermittelt Bauer Gustl auftaucht und eine Teufelsaustreibung an seinen Hühnern vom Dorfpfarrer Pater Ägydius verlangt, sie seien besessen und schon dabei zu sterben, nur er könne noch helfen. Dann bricht Gustl vorm Kränzchen zusammen. Der herbeigerufene Landarzt Dr. Seidenmatt macht wenig Hoffnung, dass Gustl überleben wird und äußert sich zweifelnd bezüglich eines Infarkts, nahezu kryptisch ... Grund genug, um misstrauisch zu werden, für eine Dame des Kränzchens. Nachdem dann auch noch der Herr Pfarrer unauffindbar ist, übernimmt besagte Dame Paula, die pensionierte Lehrerin und Kräuterwissende ist, und versucht die mysteriösen Dinge aufzuklären. Unerwartete Unterstützung erhält sie dabei von ihren treuen Freundinnen aus Oberdistelbrunn..


 

Kauzige, liebenswerte bis grantelige Charaktere machen diesen Krimi aus, die Mischung bringt hier einfach die Perfektion. Die Sprache ist herrlich, ein klein wenig angehaucht von Dialekt, was ich außerordentlich charmant finde. Das Lesen bringt unglaublich viel Spaß und ich fühle mich extrem gut unterhalten. Die Spannung und das Tempo sind wohldosiert und das Lesen geht fließend von der Hand. Einmal gestartet mochte ich das Buch gar nicht mehr aus den Händen legen. Dieser Cozy-Crime ist hervorragend angelegt; Stimmung, Plot samt Twist sind dabei wunderbar durchdacht von der Autorin. Humorvolle Szenen überwiegen und wechseln sich doch auch ab mit nachdenklichen Zeilen. Ein fabelhaftes Buch für gemütliche Lesestunden, man kann sich prima durch das Buch gleiten lassen. Das dörfliche Ambiente ist phantastisch festgehalten und außerordentlich glaubhaft dargestellt.

Auf jeden Fall vergebe ich hier wohlverdiente fünf von fünf möglichen Sternen und spreche dem Buch eine unbedingte Leseempfehlung aus. Ein Wohlfühl-Krimi mit dem Hang zur Krimödie, das Lesen wird mit Schmunzeln und schöner Atmosphäre belohnt. Auf jeden Fall habe ich sogleich Agatha-Christie-Feelings beim Lesen verspürt!


Über die Autorin:

Klaudia Blasl kocht gerne und gut, noch lieber befeuert sie allerdings ihre kriminelle Giftküche. Das Ergebnis dieser Leidenschaft sind spannende Kriminalromane mit schwarzem Humor, bösen Blumen und fiesen Gewächsen. Die Österreicherin lebt in der Steiermark und dem Südburgenland, wo sie auch einen Giftpflanzengarten hat. (Quelle: Emons Verlag)

 

 

Original-Klappentext:

Zwei Hobbygärtnerinnen auf der Jagd nach Maulwurfsgrillen, Meuchelmördern und dem Mann fürs Leben.

Im idyllischen Oberdistelbrunn geht ein Giftmischer um. Seine mörderische Bilanz: eine nüchterne Alkoholleiche, ein Pfarrer in Teufels Küche und zwei Tote auf der Gartenschau. Während die Polizei auf der Stelle tritt, verfolgen zwei Pensionistinnen mit grünem Daumen und schwelender Ehekrise eine gefährliche Spur – und legen sich statt mit Nacktschnecken und Wühlmäusen erstmals mit einem echten Mörder an...




Herzlichen Dank an NetGalley Deutschland und den Emons Verlag für die freundliche Bereitstellung eines Rezensions-Exemplars!






Mord und Wischmopp von Mirjam Munter

 

Pamela Schlonski räumt auf



Pamela Schlonski ist die Inhaberin der Reinigungsfirma 'Sauberzauber', neben ihr arbeitet noch Ahsen im Betrieb. Die Frauen sind nicht nur Kolleginnen sondern auch Freundinnen. Pamela lebt nach der Scheidung von Mike allein mit der 14-jährigen Tochter. Leia ist begeisterte und ehrgeizige Buchbloggerin auf Instagram und ein typischer Teenager. Als Pamela planmäßig morgens in einem Fotoklub aufschlägt um klar Schiff zu machen, findet sie die Leiche des Vorsitzenden des Klubs, Peter Neumann, vor. Da alle Mitglieder des Fotoklubs die Räumlichkeiten und Ausrüstung benutzen dürfen, wimmelt es natürlich nur so von Fingerabdrücken und DNA-Spuren.
Kriminalhauptkommissar Lennard Vogt übernimmt den Fall mit seinem kleinen Team, bestehend neben ihm aus Kommissaranwärterin Tina Bruns und Kriminaloberkommissar Thilo Schmidt. Doch auch Pamela macht sich so ihre Gedanken.


Bei diesem Buch habe ich mich bereits nach dem Lesen des Klappentextes in die Hauptfiguren samt Geschichte schockverliebt- hier stimmt einfach wieder einmal die gesamte Bandbreite. Und das Beste ist: ich wurde nicht enttäuscht, im Gegenteil, meine Erwartungen wurden sogar weit übertroffen. Da sind erst einmal die Hauptfiguren: Pamela, eine starke, taffe Frau, die ihr Leben voll im Griff hat, die sich perfekt um ihre Tochter kümmert, ihr kleines aber feines Unternehmen schmeißt; sie ist zudem patent und findet für alles eine Lösung. Leia, ihre Tochter im Teenager-Alter steckt selbstredend hormonell bedingt im Umbruch und widerspricht auch gerne mal dem, was die Mama plant. Klug und einfühlend ist ihr Charakter, genau wie der ihrer berühmten Namensgeberin Prinzessin Leia. Herrlich! Die beiden sind zutiefst liebenswert und bedingungslos authentisch. Sie haben sich sogleich einen Platz in meinem Leser-Herzen erobert. Hier gibt es Ecken und Kanten und es sprüht nur so vor Lebendigkeit. Die Dialoge reißen mich mit, sind ansprechend und echt gestaltet. Die Sprache, die die Autorin gewählt hat, beinhaltet neben ein wenig Ruhrpott-Dialekt, eine junge, moderne Note. Sie kann mich die gesamte Lesedauer über mitnehmen und bei der Stange halten. Dieser Cozy-Crime unterhält mich vorzüglich, der Humor ist dabei hervorragend an den richtigen Stellen gesetzt und wohl dosiert.


Von Herzen gerne vergebe ich diesem Cozy-Crime wohlverdiente fünf von fünf möglichen Sternen und spreche ihm meine absolute Lese-Empfehlung aus. Die Geschichte ist tatsächlich perfekt erzählt von der Autorin und ich bin ab sofort Pamela Schlonskis Fan! Bitte ganz schnell mehr davon!

 

Kurzmeinung:

Miss Marple meets Tatortreiniger meets Ruhrpott-Liebe


Über die Autorin:

Mirjam Munter ist das Pseudonym von Mirjam Müntefering. Obwohl sie Filmwissenschaftlerin ist und einige Jahre als Fernsehredakteurin arbeitete, wandte sie sich ihren beiden Leidenschaften zu: Dem Schreiben und den Tieren. Mehr als zwanzig Jahre betrieb sie ihre eigene Hundeschule, konzentriert sich inzwischen jedoch ganz aufs Schreiben - vielseitig, genrepolygam und für alle Altersklassen. Sie lebt mit ihrer Ehefrau, Hunden, Pferden, Katzen, Meerschweinchen und Hühnern am grünen Rand des Ruhrgebiets und treibt sich täglich in Hattingen, Sprockhövel und Witten herum - in direkter Nachbarschaft zu den Figuren ihres Krimis. (Quelle: Ullstein Buch Verlage)

 

Original-Klappentext:

Pamela Schlonskis erster Fall

Der erste Fall für Putzfrau Pamela Schlonski, die neue Ermittlerin im Ruhrpott

Pamela Schlonski betreibt am grünen Rand des Ruhrgebiets die Putzfirma Sauberzauber. Sie hat eine große Klappe, aber auch ein scharfes Auge. Bei ihrer wöchentlichen Arbeit in den Vereinsräumen eines Fotoklubs entdeckt sie eines Tages den toten Vorsitzenden. Die Leiche liegt zwischen Blitzlichtern und neben einem romantisch gedeckten Tisch. In dem Durcheinander findet Pamela einen verdächtigen Papierschnipsel.

Die Ermittlungen übernimmt der schweigsame Kommissar Lennard Vogt, der Pamelas Hinweisen nur widerwillig Aufmerksamkeit schenkt. Allerdings merkt er bald, dass die gewitzte Reinigungskraft über einen untrüglichen Instinkt verfügt. Und so schliddert Pamela tief in ihren ersten Mordfall hinein.

Ein charmanter cosy Krimi für alle Ruhpottfans, Nordlichter und Hobbyermittler:innen. 

 

 

 

Herzlichen Dank an NetGalley Deutschland und die Ullstein-Verlage für die freundliche Bereitstellung eines Rezensions-Exemplars!  

 

 

 

 

 

Dienstag, Februar 22, 2022

Boom Town Blues - Ein Fall für Patsy Logan von Ellen Dunne

 

Die Auszeit

Offiziell befindet sich die Münchner KHK'in Patsy Logan zu einem Bildungsaustausch in Dublin. Die wahren Gründe liegen leider ganz anders. So missfällt ihr das Telefonat mit ihrem Dezernatsleiter natürlich, er unterbricht damit ihren Erholungsprozess. Doch Patsy wird gebraucht, denn in der österreichischen Botschaft in Dublin ist ein junges, deutsches Mädchen bei einem Empfang ums Leben gekommen. So unterstützt die Kommissarin das irische Team und gerät schnell in ein Wirrwarr aus Macht und Bauwirtschaft samt schmutzigen Geldgeschäften rund um die aufstrebende Großstadt Dublin, dem Herzen Irlands.




Die Autorin schafft eine perfekte und fühlbare Stimmung. Die Stadt Dublin atmet förmlich und ich sehe das pulsierende Treiben nahezu vor mir. Die Kriminalhauptkommissarin Patricia "Patsy" Logan ist völlig ausgebrannt und benötigt eine Auszeit. Die Figur ist absolut glaubwürdig dargestellt, ihre Stimmung und ihre Gefühle sind herrlich gezeichnet, gerne folge ich ihr und finde sie liebenswert auf ihre eigene, spezielle Art. Die Nebenfiguren stecken ebenfalls voller Blut und somit Leben und passen sich hervorragend in den Reigen um Gentrifizierung und Verbrechen ein. Der Fall selbst ist zunächst unübersichtlich strukturiert, viele Schauplätze werden gezeigt und die Zusammenhänge sind nicht sofort ersichtlich. Das treibt die Spannung hoch, das Tempo ist dabei rasant und variabel gewählt. Gekonnt sind Cliffhanger eingebaut - Wendungen und Twists dabei brillant gesetzt. Ich fühle mich prächtig unterhalten. Auch wenn der Begriff vielleicht abgedroschen klingt, hier halte ich einen wahren Pageturner in den Händen. Die Geschichte fesselt mich und die Autorin kann mich die ganze Zeit über halten und mitnehmen, auf einem gefährlichen Ritt durch Dublin.


So klar vergebe ich hier wohlverdiente fünf von fünf möglichen Sternen und spreche dem Buch eine absolute Leseempfehlung aus. Dieser Krimi lebt und reißt uns Leser und Leserinnen förmlich mit, Großstadt-Gefühle werden produziert und Großstadt-Gefahren gleich mit geliefert. Mich haben das Buch sowie die Autorin Ellen Dunne begeistert, sehr gerne lese ich bald wieder von ihr.

 

Über die Autorin:

Ellen Dunne ist in Salzburg geboren, aber folgte ihrer Sehnsucht nach dem Meer – und lebt heute als Texterin und Schriftstellerin südlich von Dublin. Seit 2010 lässt sie ihre deutsch-irische Kommissarin Patsy Logan ermitteln, zuletzt in „Schwarze Seele“ und „Harte Landung“. Und das kann ganz schön erfrischend sein: Für die Recherche zu „Boom Town Blues“ wagte Dunne sich nach 17 Jahren auf der Insel zum ersten Mal in die Irische See. (Quelle: Haymon Verlag)


Original-Klappentext:

Dublin zwischen Boom und Brexit: Ein Giftmord in besten Kreisen, eine taumelnde Stadt und eine Ermittlerin, die dringend eine Pause braucht.

Patsy Logan ist raus … und mittendrin
Patsy Logan, Kommissarin des Münchner LKA, nimmt sich Bildungszeit, so heißt es zumindest offiziell. Inoffiziell sucht sie in Dublin Zuflucht vor privaten Sorgen und beruflichem Ärger: Ihre Ehe kriselt, der unerfüllte Kinderwunsch belastet sie schwer und der verdiente Karrieresprung wird ihr zugunsten eines männlichen Kollegen verwehrt. Doch Patsy will in Irland nicht nur Abstand von ihrem Alltag gewinnen. Sie möchte auch Hinweisen von Menschen nachgehen, die ihren Vater lebend in Dublin gesehen haben wollen. Das ist einigermaßen verwirrend, denn: Patsys Vater ist seit vielen Jahren tot. Als in der österreichischen Botschaft eine junge deutsche Praktikantin mit Blausäure vergiftet wird, ist es mit Patsys Auszeit und ihren privaten Nachforschungen schlagartig vorbei und sie muss zurück zu ihrer alten Stärke finden. Zusammen mit dem irischen Team und dem Kollegen Sam Feuerstein nimmt sie die Ermittlungen auf – und blickt mitten in die hässliche Fratze von Ausbeutung und Kapitalismus.


Dublin im Taumel 
Die Immobilienpreise explodieren im Wirtschaftsboom, der auf die verheerende Finanz- und Wirtschaftskrise der 2000er folgt. Habgier und Gewinnsucht haben die Stadt wie ein Fieber befallen. Sogenannte Vulture Hunters treiben ihr Unwesen: In der Krise billig erworbene Immobilien und Kredite werden nun mit horrenden Zinsen in kürzester Zeit fällig und treiben die betroffenen Schuldner*innen in die Verzweiflung. Gentrifizierung, zerstörte Lebensträume und zerbrochene Familien prägen den Geist einer pulsierenden Stadt, haben so gar nichts mit der nostalgischen Postkarten-Idylle im Reisekatalog gemein. Hier herrscht das Gesetz der Stärkeren, hier öffnet sich die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter. Hier entscheiden einige wenige aufstrebende Karrierist*innen auf ihrem Weg nach ganz oben über die Leben derer, die strampelnd versuchen, sich über Wasser zu halten …


Ein Kriminalroman, der deinen Gerechtigkeitssinn auf eine harte Probe stellen wird
Boom Town Blues ist ein Krimi auf allen Ebenen. Die Mord-Ermittlungen werden von der Öffentlichkeit mit Interesse beobachtet, denn: Der Giftanschlag in der Botschaft war kein persönlich motivierter Mord, es geht um Big Business und um viel Geld. Ellen Dunne eröffnet dir die skrupellose Welt der Vulture Funds und die immer weiter auseinanderdriftenden Realitäten von jenen „ganz oben”, der Mittelschicht und Menschen, die zum Leben zu wenig haben. Du fühlst mit den Verlierer*innen des kapitalistischen Systems, aber auch mit jenen, die privat alles opfern für die nächste Stufe auf der Karriereleiter – und dabei täglich einsamer werden. Und du fieberst mit Patsy, deren private Situation sich zuspitzt, als die Vergangenheit plötzlich beängstigend lebendig wird. Sie braucht all ihren schwarzen Humor, um den Herausforderungen zu begegnen, die das Leben ihr entgegenwirft – Selbstironie inklusive.



 

 

Herzlichen Dank an NetGalley Deutschland und den Haymon Verlag für die freundliche Bereitstellung eines Rezensions-Exemplars!

 

 

 

 

Samstag, Februar 12, 2022

Tödlicher Inselfrühling - Ein Schären-Krimi. Cilla Storm Band 4 von Christoffer Holst

 

   Wieder auf Bullhomen

 
 

Während Adam Cilla seinen Wohnungsschlüssel überreicht, läuft es bei Zacke in dessen Beziehung eher gerade nicht so gut. Kurzerhand bietet ihm Cilla deshalb an, vorübergehend in ihrem Gartenkolonie-Häuschen in den Schären vor Stockholm, zu wohnen. Zacke, sonst eher der absolute Stadtmensch willigt ein, wenn auch skeptisch. Dabei gerät er in ein unerwartetes Abenteuer!

 




Obwohl es im Roman selbst heißt, dass Cilla vor genau 10 Monaten Adam, einen Kriminalbeamten, kennen und lieben gelernt hat, und somit ihren ersten Fall als Kriminal-Reporterin hatte, kommt es mir vor, als würde ich sie schon ewig kennen. Cilla Storm ist meine Heldin, von der Klatschreporterin hat sie sich gewandelt, zur Autorin des True-Crime-Podcasts „Blutspur“. Und auch privat hat Cilla eine rund positive Entwicklung hingelegt. Und ja, zwischen den vier Büchern sehne ich mich immer wieder zurück zu den Charakteren und bin gespannt, was Cilla und ihre Freunde, wie z.B. Zacke erleben oder in der Zwischenzeit erlebt haben. Wäre Cilla Storm eine TV-Serie, so würde ich sie wohl bingewatchen. Die Charaktere rund um die Hauptperson sind alle liebenswert und charmig, ich folge ihnen deshalb sehr gerne durch die Geschichte. Hierbei hat sich der Autor wieder einen spannenden Fall einfallen lassen. Bei dem natürlich Adam Hilfe durch Cilla erhält – keine Frage. Das Lesen geht leicht von der Hand und der Rhythmus und das Tempo sind dabei äußerst angenehm. Der Schreibstil des Autoren gefällt mir prächtig, die einzelnen Kapitel sind mit den jeweiligen Personen gekennzeichnet, denen wir Leser und Leserinnen dabei hauptsächlich folgen. Der Unterhaltungswert ist extrem hoch und auch die Spannung kommt nicht zu kurz!


Von Herzen gerne vergebe ich hier wohlverdiente fünf von fünf möglichen Sternen und spreche dem Buch meine uneingeschränkte Leseempfehlung aus. Im Buch kommt das Wort Quality Time vor und genauso fühlt sich das Lesen für mich an. Ich genieße die Lesezeit und zögere sie sogar künstlich hinaus, weil ich nicht möchte, dass das Buch endet. Wie schade, dass dies der (wohl) letzte Cilla-Storm-Band ist, ich möchte so gerne mehr! Dies ist ein Wohlfühlkrimi vom Allerfeinsten in wundervollem Ambiente.


Über den Autoren:

Christoffer Holst ist Jahrgang 1990, er arbeitet als Lektor und ist Autor mehrerer Romane. Wenn er nicht gerade schreibt, genießt er gerne ein Glas Chardonnay oder guckt romantische Komödien. Als unverbesserlicher Romantiker findet er, dass das Leben mehr wie ein Film oder ein Buch sein sollte. Er lebt in Stockholm. (Quelle: Penguin Random House)

Original-Klappentext:

Mit den ersten Strahlen der Frühlingssonne blüht auch das Verbrechen in den Schären auf

Der Frühling und die bevorstehende Walpurgisnacht wecken die Lebensgeister auf Bullholmen. Cilla und ihre Freunde freuen sich auf entspannte Wochen in ihren Ferienhäusern. Auch eine Bekannte von Cillas bestem Freund Zacke möchte die Idylle der Schären nutzen, um endlich ihr Buch über Wein zu schreiben. Doch ihre Aufmerksamkeit gilt schon bald etwas Anderem. Am gegenüberliegenden Ufer lebt ein elegantes Paar, das sie von ihrer Terrasse aus beobachten kann. Eines Abends sieht sie jedoch etwas, das ihr das Blut in den Adern gefrieren lässt, und mal wieder ist Cillas Spürsinn gefragt.

 

 

 

Herzlichen Dank an das Bloggerportal für die freundliche Bereitstellung eines Rezensions-Exemplars!

 

 

 

 

 

Sonntag, Februar 06, 2022

Unter dem Schnee von Katrin Burseg

 

Abgeschnitten

Wir befinden uns im Jahr 1978, Luise Emilia Katharina Gräfin von Schwan, Patriarchin des Guts sowie der Baumschule Schwanenholz, ist tot. Der Zeitpunkt ist zwar denkbar ungünstig, kurz vor Weihnachten, doch gibt es für einen Abschied überhaupt den richtigen Zeitpunkt? Luise ist friedlich beim Nachmittags-Tee entschlafen. Für sie sicher schön, nach einem erfüllten Leben, doch die Hinterbliebenen, sie leiden? Die 72jährige Isa, Köchin im Herrenhaus, trauert. Und ebenso Carl, der Neffe der Verstorbenen, ist zerwühlt. Was dann über die Trauergemeinde hereinbricht, ist unvorstellbar erschütternd, für alle Beteiligten. 



Die Idee ist an sich schon genial, eine Familie wird wetterbedingt von der Außenwelt ausgegrenzt und muss sich zwangsweise den aufkommenden Problemen stellen und sich mit ihnen auseinandersetzen. Die Autorin hat dies fulminant gelöst! Ausdrucksstark und in wunderschöner, prächtig gestalteter Sprache erzählt die Autorin diese eindringliche Familiengeschichte. Die einzelnen Sätze sind teilweise mit Poesie versetzt und das Lesen bringt mir ungeheuren Spaß. Dieses Buch sprüht nur so vor Lieblingssätzen. Auch wenn die Stimmung zu Beginn wegen des Trauerfalls gedämpft ist, so bietet der Text auch immer wieder Momente des Schmunzelns. Herrlich unterschiedlich sind die mitspielenden Charaktere und sie sind hervorragend dargestellt. Die aufmüpfige Großnichte Carolin ebenso wie die nach außen starke Isa. Probleme scheut die Autorin nicht und sie setzt sich in brillanter Weise mit der Problematik der Zwangsarbeiter im Zweiten Weltkrieg auseinander. Vertrauen, Misstrauen, Hintergehung, Liebe und Freundschaft werden intensiv von Katrin Burseg bearbeitet und hingebungsvoll in ihrer Geschichte und auf ihre Figuren umgesetzt. Eine wahre emotionale Berg- und Talfahrt bedeutet die Lektüre dieses Romans - unbeschreiblich schön!

Noch ein Volltreffer im noch frühen Lesejahr 2022, dieser Roman reiht sich ein in die Liste meiner Herzensbücher! So klar vergebe ich fünf sehr wohlverdiente Sterne von fünf möglichen Sternen und spreche dem Buch meine uneingeschränkte Leseempfehlung aus. Wer Familiengeschichten liebt, die historisch angehaucht sind und sich durchaus auch gesellschaftskritischen Fragen stellen, ist hier genau richtig. Ich habe das Buch regelrecht verschlungen und wurde prächtig durch das Lesen unterhalten. 

 

Über die Autorin:

Katrin Burseg, geboren 1971 in Hamburg, studierte Kunstgeschichte und Literatur in Kiel, bevor sie als Journalistin und Autorin arbeitete. Sie wuchs in einem mehr als hundert Jahre alten Bauernhaus in Schleswig-Holstein auf. Als Kind erlebte sie die Schneekatastrophe im Jahrhundertwinter 1978/1979, mit ihrer Familie war sie mehrere Tage lang eingeschneit. Diese Erinnerung inspirierte sie zu ihrem Roman »Unter dem Schnee«. (Quelle: RandomHouse)


Original-Klappentext:

Schloss Schwanenholz, Ende Dezember 1978: Fünfzig Jahre führte Luise von Schwan die Baumschule auf dem Gut an der Ostsee mit strenger Hand. Nun wird die Gräfin beerdigt. Doch als die Trauerfeier beginnt, fegt ein heftiger Schneesturm über das Land. Bevor das Familienanwesen von der Außenwelt abgeschnitten wird, trifft ein ungebetener Gast aus Frankreich ein. Wer ist die geheimnisvolle Frau, die behauptet, Luises Tochter zu sein? Und hat Luise tatsächlich während des Zweiten Weltkriegs Zwangsarbeiter auf dem Gut ausgebeutet? Fünf Tage, in denen die Familie mit verborgenen Wahrheiten konfrontiert wird. Fünf Tage, die das Schweigen beenden, das sich jahrzehntelang über alles senkte wie Schnee.

 

 

 

Herzlichen Dank an das Bloggerportal der RandomHouse Gruppe für die freundliche Bereitstellung eines Rezensions-Exemplars!

 

 

 

 

 


Freitag, Januar 14, 2022

Gefrorenes Herz von Line Holm, Stine Bolther

 

Gegen die moderne Welt


Die Historikerin Maria Just arbeitet für das Polizeimuseum in Kopenhagen und bereitet gerade eine Ausstellung vor. Sie ist eine gut durchtrainierte Frau, die mit ihren 31 Jahren allerdings wahnsinnig gerne schwimmen lernen würde, dies klappt allerdings nur mäßig, viele Lehrer sind bereits an ihr gescheitert. Gerade vom Schwimmkurs kommend, bekommt sie mit, dass ein Toter in der Stadtmitte Kopenhagens aufgefunden wurde. Dadurch wird sie sich verspäten, denn sie muss einen Umweg nehmen. Mikael Dirk, Ermittlungsleiter und Frederik Dahlin, sein neuer Partner, ausgewiesener Experte im IT-Bereich übernehmen den Fall. Der Chef des dänischen Roten Kreuzes wurde ermordet und wie Jesus ans Kreuz genagelt, vor dem Gebäude der eigenen Organisation. Schnell ist es jedoch Maria, die als Erste einen Zusammenhang bemerkt, zu einem Doppel-Mordfall, der über 50 Jahre zurückliegt.



Die Autorinnen Line Holm und Stine Bolther steigen in diesem Kriminalroman direkt in die Vollen ein, ein brutaler Fall wird gleich im Prolog geschildert und dies ist nur der Anfang! In großem Tempo geht es durch das Buch, zum Luftholen bleibt nicht viel Zeit. Neben dem eigentlichen Fall schneiden die beiden Autorinnen auch die Themen Vorurteile in der Gesellschaft, Alltags-Rassismus und Bewältigung des Aberglaubens an. Diese Dinge sind pointiert gesetzt und wohl dosiert, gerade soviel geben die Charaktere preis, dass wir Leser und Leserinnen uns selbst ein Bild von ihnen machen können. Starke Frauen, die für die Emanzipation kämpfen und sich für ein modernes Bild der Frau in der Gesellschaft einsetzen stehen auf der einen Seite, auf der anderen stehen die Menschen, die das Konservative vertreten und alles Neue ablehnen. Der Schreibstil der Autorinnen, Line Holm und Stine Bolther, ist außerordentlich versiert, in einer klaren und guten Sprache, reißen die beiden mich mit. Die einzelnen Kapitel sind kurz gehalten, was die Spannung erheblich steigert und das Lesen noch interessant und intensiver werden lässt. Die Herangehensweise der Ermittler und anschließende Polizei-Arbeit ist enorm glaubwürdig und faszinierend beschrieben, hier folge ich dem Team sehr gerne durch den brisanten Fall. Der Spannungsbogen ist die gesamte Länge über hoch angesetzt und stets fest gezurrt. Die Dialoge sind anregend gestaltet und verleihen den Figuren wahre Lebendigkeit.

Volle Punktzahl von mir für diesen echten Pageturner, der auf hohem Niveau verfasst wurde – fünf von fünf möglichen Sternen und so klar spreche ich dem Buch meine absolute Leseempfehlung aus. Dies ist ein Nordic Noir vom Allerfeinsten, tiefe atmosphärische Dichte machen diesen Krimi aus. Niveauvolle Lesestunden erwarten den Leser und die Leserin!

Kurzmeinung:
Ein harter wie brutaler Krimi auf höchstem Niveau verfasst.


Über die Autorinnen:

Line Holm wurde 1975 geboren und ist eine mehrfach ausgezeichnete Investigativjournalistin. Sie arbeitet für die Berlingske, eine der größten dänischen Zeitungen. (Quelle: penguinrandomhouse)

Stine Bolther wurde 1976 geboren. Sie ist Fernsehmoderatorin und seit achtzehn Jahren als Kriminalreporterin tätig. Sie hat bereits mehrere True-Crime-Bestseller in Dänemark veröffentlicht. (Quelle: penguinrandomhouse)

 

Original-Klappentext:

Wenn die Verbrechen der Vergangenheit ihre Schatten in die Gegenwart werfen, ist Cold-Case-Expertin Maria Just gefragt

Polizeihistorikerin Maria Just bereitet gerade eine Ausstellung zum Thema »100 Jahre ungelöste Mordfälle« im Polizeimuseum von Kopenhagen vor. Da wird mitten in der Stadt der Generalsekretär des Roten Kreuzes auf bestialische Art ermordet. Der Tote hängt gekreuzigt an einem Geländer, auf seinem Körper wurde ein rätselhaftes Zeichen eingeritzt. Die Polizei ermittelt unter hohem Druck von Presse und Politik. Doch es ist Maria, die schließlich eine Verbindung zu einem ungeklärten Doppelmord entdeckt, der über fünfzig Jahre zurückliegt. Ein dunkles Kapitel dänischer Geschichte dringt ans Licht. So dunkel, dass jemand auch nach Jahrzehnten noch Vergeltung sucht. Kann Maria den Rachefeldzug stoppen, bevor es zu spät ist?

 

 

 

Herzlichen Dank an das Bloggerportal von der Penguin-Randomhouse-Verlagsgruppe für die freundliche Bereitstellung eines Rezensions-Exemplars!

 

 









Donnerstag, Januar 13, 2022

Die Fliegerinnen von Jeanette Limbeck

Zwei Seiten


Sokolowa, Jekaterina Pawlowna, oder kurz Katja, hat ein Visum erhalten, das sie dazu berechtigt, Moskau zu verlassen. Es ist Oktober im Jahre 1941 und nur relevante Personen dürfen ausreisen. Katja als Mitarbeiterin eines Rüstungsbetriebes darf reisen. Der Zug ist übervoll und alle werden streng kontrolliert und überwacht. Und dann kommt alles ganz anders, in sprichwörtlich letzter Minute, bevor der Zug Richtung des Ural ausfährt, wird Katja herausgeholt. Ihr Traum soll tatsächlich Wirklichkeit werden - denn sie darf in ein weibliches Regiment eintreten und kämpfen. Für ihr Vaterland gegen den Feind wird sie an der Front kämpfen und zwar als Fliegerin. Das will sie, dafür brennt sie. Was sie da noch nicht weiß, ist, dass sie für die Erfüllung ihres Traumes einen hohen Preis bezahlen muss.


 

In wundervoller und anregender Sprache verfasst ist dieser historische Roman. Die einzelnen Szenen sind beeindruckend aufgebaut, alles kann ich mir gut und bildlich vorstellen. Die Wirren des Krieges, die Verzweiflung der Menschen sind hervorragend dargestellt und vor allem wirken sie komplett authentisch. Die einzelnen Schicksale bewegen mich zutiefst. Ich hatte nur mal kurz in das Buch hinein schnuppern wollen und dann konnte ich nicht mehr aufhören zu lesen. Die Charaktere stecken voller Blut und Leben, sie sind alle unterschiedlich und spielen doch wunderbar zusammen. Trotz der schwierigen Zeiten lasse ich mich gerne mitnehmen und fiebere mit den Figuren und ihrem Schicksal mit. Der Schreibstil der Autorin gefällt mir ausnehmend gut. Die verzwickte Situation der Hauptfigur Katja wird dramatisch klar, mein Herz konnte sie von Beginn an erobern. Überhaupt unterhält das Buch enorm durch seine Vielseitigkeit, die ungewöhnliche Rolle der Frauen im Regiment und dazu das Schlamassel der Katja, ist brillant erzählt.


Von Herzen gebe ich diesem Roman wohlverdiente fünf von fünf Sternen und spreche ihm meine absolute Leseempfehlung aus. Hier wird die Rolle der Frauen in der Zeit des Zweiten Weltkrieges erstklassig präsentiert. Liebhaber von historischen Romanen gerade aus dieser Zeit werden sich für das Buch erwärmen können, ich bin darin versunken und liebe die Geschichte samt ihrer Figuren!

 

Original-Klappentext:

Stalins Elitekämpferinnen. Freundschaft und Verrat in den Wirren des KriegesOktober 1941. Stalin lässt junge Frauen zu Kampfpilotinnen ausbilden. Auch die zwanzigjährige Kunstfliegerin Katja will einen Beitrag zur Verteidigung ihres Landes leisten. Doch viel mehr noch erhofft sie sich, ihre Eltern aus dem Gulag retten zu können, wenn sie sich im Kampfeinsatz auszeichnet. Staatssicherheitsoffizier Mukijenko verschafft ihr einen Platz in einem der Frauenregimenter, aber er verlangt dafür einen hohen Preis: Katja soll die anderen Fliegerinnen ihrer Truppe bespitzeln - und im Austausch erfahren, welche von ihnen ihre Eltern denunziert hat. Katjas Suche nach der Verräterin belastet ihre Beziehung zu den anderen Frauen bis aufs Äußerste. Bald weiß sie nicht mehr, wem sie noch vertrauen kann. Doch gerade gegenseitiges Vertrauen kann bei den gefährlichen Flugeinsätzen über Leben und Tod entscheiden ...

 

Über die Autorin:

Jeanette Limbeck sah mit sechzehn eine Dokumentation über die sowjetischen Fliegerinnen der Stalinzeit. Zwanzig Jahre, ein Slawistikstudium und mehrere Russlandaufenthalte später war der Roman dazu fertig. Wenn sie nicht gerade Geschichtsbücher liest oder vom Fliegen träumt, arbeitet sie in der Unternehmenskommunikation und unterrichtet Schreiben. Sie lebt in Berlin. (Quelle: Grafit Verlag)

 

 

 

Herzlichen Dank an die netgalley Deutschland für die freundliche Bereitstellung eines Rezensions-Exemplars!