Montag, Juni 12, 2017

Vermählung von Curtis Sittenfeld

Stolz und Vorurteil 2.0


Nachdem Mr. Bennet als Notfall ins Krankenhaus eingeliefert wird, versammeln sich alle seine fünf Töchter erneut im Elternhaus. Nun gilt es für die Familie zusammen zu halten. Nachdem sich Mr. Bennet dann nach einer Bypass-Operation auf dem Weg der Besserung befindet, geht Mrs. Bennet sehr schnell wieder ihren gesellschaftlichen Verpflichtungen nach. Sie verfolgt lediglich ein Ziel: ihre Töchter unter die Haube zu bringen. Gerade für Jane, die knapp 40 Jahre alt ist, wird es eng, da ist sich ihre Mutter sicher. Als Mrs. Bennet dann erfährt, dass Chip Bingley nach Cincinnati gezogen ist, setzt sie alles daran, dass er ihre Töchter kennen lernt. Der gut aussehende Chip war Teilnehmer in einer Reality-TV-Show namens „Vermählung“ (ähnlich dem „Bachelor“-Format) und ist demzufolge auf der Suche nach einer Ehefrau. Auf einer Gartenparty der befreundeten Familie Lucas ist es dann soweit, die Familie Bennet triff auf Chip Bingley. Chip und Jane haben an diesem Abend fast ausschließlich Augen für einander. Geht Mrs. Bennets Plan auf? Und wird Liz Bennet sich weitere Wortgefechte mit dem sarkastischen Neurochirurgen Fitzwilliam Darcy liefern? 

Die Autorin Curtis Sittenfeld hat Jane Austens „Stolz und Vorurteil“, das im Original an der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert spielt, perfekt in die heutige Zeit verlegt, hat die Geschichte von London nach Cincinnati verfrachtet und den Charakteren moderne Berufe verpasst. Diese Hommage ist der Autorin brillant geglückt. Curtis Sittenfeld verwendet eine erwählte und aufgeschlossene Sprache, die mich als Leserin direkt einfängt und mitnimmt. Ein großes Lob auch an die Übersetzerin Sabine Schilasky, die die Stimmung und Atmosphäre wunderbar ins Deutsche transferiert hat. Interessant finde ich, dass Cincinnati die Geburtsstadt von Curtis Sittenfeld ist und sie dort auch aufwuchs. Demzufolge spiegelt dieser Roman sicher auch gleich ein wahres Bild der Gesellschaft des heutigen Amerika wider.

Meine Bewertung: fünf von fünf möglichen Sternen und eine klare Leseempfehlung. Für mich ist „Vermählung“ eines der besten Bücher dieses Jahres. Für Jane Austen Fans fast schon ein „Must-Read“, zu schön ist es, die Charaktere wieder zu finden. Irgendwie könnte ich mir sehr gut mehr Klassiker vorstellen, die ins Moderne adaptiert werden ... wie würde es zum Beispiel Scarlett O'Hara heute ergehen?


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