Samstag, Mai 20, 2017

Rotlicht von Nora Bossong

Erotik – nur für Männer


Alles begann mit dem altmodischen Plüsch eines Sexshops. Als Kind traute sich Nora Bossong nur, ihn aus den Augenwinkeln zu betrachten. Als junge Frau aber wagt sie sich in jene Geheimzone, in der Lust nackte Arbeit ist und unsere Sexualität und der Kapitalismus frontal aufeinanderprallen. Sie trifft harmlose Studenten bei Dildo-Präsentationen und altersweise Pornoproduzenten. Sie steht in schäbigen Sexkinos und am Salat-Buffet eines Swingerclubs. Mit funkelnder Beobachtungsgabe erzählt Nora Bossong von einer Gesellschaft, die das Verruchte immer abwaschbarer gestaltet. Und sie stellt die Frage, warum das Rotlichtmilieu die echte Wollust nur an den Mann bringen will – und niemals an die Frau. (Original-Klappentext)



Dieses Sachbuch der Autorin Nora Bossong fasst in zehn Reportagen die Welt des Sex zusammen, über die Erotikmesse, dem Tabledance, über die Sauna ins Bordell. Nora Bossong hat in alle möglichen Bereiche hineingeschaut und eines übereinstimmend festgestellt: diese Welt ist männlich, weibliche Bedürfnisse kommen zu kurz oder schlimmer, interessieren hier niemanden. Dabei sind es zumeist weibliche Dienstleisterinnen, doch die geldeinbringende Kundschaft ist nun einmal männlich. In einem hervorragenden Schreibstil berichtet die Autorin fast schon in Romanform, doch ihre Stories sind nicht fiktiv sondern brandaktuell. Wieso geht Sex im Jahre 2017 nur schmuddelig oder höchst steril? Wie kann frau samt ihrer Bedürfnisse sich besser einbringen in dieses Geschäft? Kann käuflicher Sex befriedigen? Fragen, die die Autorin zu beantworten versucht.

Gerne vergebe ich diesem Sachbuch fünf von fünf möglichen Sternen und empfehle es weiter an Leser, die sich ein Bild machen möchten über die Erotikwelt heute und deren Macher. Ein schwieriges Thema, da häufig ein Tabu, doch umso interessanter und mit spannenden Einblicken gestaltet.

Herzlichen Dank an die Hanser Literaturverlage für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.


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