Sonntag, März 27, 2016

Buch im Dialog; heute: Staubige Hölle von Roger Smith

 

 

 

Ein Gespräch mit dem Autor Wolfgang Haupt in Angis Bücherkiste.

 

 

Was macht das Buch besonders?


Zum einen die Story selbst, der Protagonist Robert, in tiefer Trauer, traumatisiert, handlungsunfähig bekommt ausgerechnet von seinem verhassten Vater Schützenhilfe und muss mit ihm gemeinsam Seite an Seite kämpfen.


Ich finde die Beziehung zwischen ihm und seinem Vater sehr gelungen. Zu einem ist da die Kälte, die gegensätzlichen politischen Ansichten, die sie zu spalten scheint, andererseits aber der gemeinsame Feind.


Aber auch zu sehen, welcher Fehl-Glaube in dem Land noch immer herrscht, wie z.B. im Umgang mit AIDS.


Genau. Das Lokalkolorit ist sehr stimmig. Die südafrikanischen Lebensverhältnisse, die ethnischen Gruppen, ihr Verhältnis. Dazu passend auch die Handlungen der Charaktere, ich denke da an Inja, der den hinterwäldlerischen Ansichten seines Stammes folgt, die westliche Lebensart komplett ablehnt.


Dann wieder Sunday, die tief empfinden und wahrnehmen kann. Doch auch sie schiebt ihre eigenen Handlungen den „Weisungen“ ihrer toten Mutter zu. Das Festsitzen in einer Kultur, aus der das Mädchen eigentlich entfliehen möchte.


Auch hier entsteht ein beklemmendes Bild der Kultur. Der Aberglaube, die Armut, all das hält die Leute gefangen.


Eine Welt, die ich so noch nicht kannte.

Was hältst du für weniger gelungen?

Das unversöhnliche Ende.


Mich hat weniger das Unversöhnliche gestört als dass alles nur mit Gewalt gelöst wird. Natürlich, eine harte Welt, in der man mit Patronen kommuniziert, aber hier hätte ich mir ein stimmigeres, ja vielleicht doch versöhnlicheres Ende gewünscht.

Die Charaktere?

Ich mag Bobby Goodbread, denke, dass sein Sohn zu hart urteilt über ihn, er hat viel Schlimmes durchgemacht, viel gesehen, ist verbittert, doch ein Rassist ist er denke ich nicht, jedoch hat er klare Ansichten, von denen er nicht abweicht.

Das denke ich auch nicht. Er hat eine klare Position. Dass es Schwarze waren, gegen die er gekämpft hat und noch immer kämpft, ist für ihn nicht vorrangig.

Robert Dell möchte softer sein als er ist, sein ganzes Leben hat er gegen den Vater gekämpft und möchte niemals so werden wie er.

Ich fand ihn sympathisch. Ein Menschenrechtler, einer der in so einer Welt nicht als erstes zur Waffe greift, sondern als Gewaltgegner auf den Plan tritt, oft verloren hat und verliert.
Und doch zerrissen ist. Seine schwarze Frau, die ihn zudem mit einem Weißen betrogen hat. Schwierig.

Injahöllisch, kennt kein Erbarmen.

Und sehr primitiv. Auch er ist dem Aberglauben verfallen, kämpft für / gegen etwas, das er nicht versteht, ihm in den Kopf gemeißelt wurde.

Zondilebt inzwischen das Leben eines Stadtmenschen, möchte nicht mehr erinnert werden an seine Herkunft. Die anderen Zulus nennen ihn abfällig Kokosnuss, verspotten ihn, für seine Art zu leben. Er gehört auf jeden Fall auf die Seite der „Guten“.


Ja, auf jeden Fall ein “Guter”. Ich finde, dass er untergeht zwischen all der Gewalt und kaum eine richtige Funktion trägt, außer Inja von außen zu stilisieren. Was ja auch nicht unwichtig scheint.

Sprache, Stil?

Die Sprache hat mich erst überrascht, doch dann hatte ich mich schnell daran gewöhnt: kurze, prägnante Sätze. Angenehm zu lesen.


Ich finde auch. Klare, harte Sprache, die genau das transportiert, was es soll. Was mir unangenehm, aufgefallen ist, sind die subjektlosen Sätze. Das hätte man ruhig sparsamer dosieren können.

Der Plot, die Twists N‘ Turns?

Was auch immer die Hauptfiguren und auch die Nebenfiguren begonnen haben, sie konnten nicht den gewählten Weg gehen, es kam immer wieder zu unvorhersehbaren Schwierigkeiten. Das macht es sehr spannend.


Stimmt. Dennoch bleibt es auf seine Weise vorhersehbar. Es ist ein Schnellzug, der auf den Abgrund zusteuert. Die Gäste wechseln. Das ist das zentrale Spannungselement.
Funktioniert sehr gut, hat mich allerdings nicht wirklich überrascht.

Fazit?

Für mich ein Pageturner, auch wenn ich tatsächlich an manchen Stellen fasziniert und abgestoßen zugleich war. (Szene mit dem Medizinmann oder die Hochzeitszeremonie.)
Ganz klar fünf Sterne!
Und meine Erkenntnis, dass Südafrika auf den letzten Platz der von mir zu besuchenden Länder gerutscht ist.

Absolut. Ein Toptitel, ein grandioser Erzähler, der das passende Werkzeug nimmt, sein Genre beherrscht. Faszination Grausamkeit. An manchen Stellen wie Unfall. Man kann ja doch nicht wegsehen.


Ausführliche Rezensionen zum Buch findet Ihr von Wolfgang Haupt hier und von Angis Bücherkiste hier.

Mehr Informationen zum Autoren Wolfgang Haupt sowie seinen Veröffentlichungen gibt’s hier zu finden.


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