Freitag, März 25, 2016

Autoren-Interview mit Wolfgang Haupt





Wieder einmal ist der Thriller Autor Wolfgang Haupt zu Gast in Angis Bücherkiste und berichtet über sein neuestes Buch „Die dunkle Talion“ und das Schreiben an sich:


 

Deine Figuren sind sorgsam angelegt und hervorragend gestaltet, man spürt Dein Herzblut in ihnen.
Ohne verraten zu wollen, ob und wenn ja, wer es aus Deinem Buch nicht „schafft“ - Kannst Du Deine Charaktere auch loslassen?

Das muss man. Sonst entsteht keine Konsequenz aus deren Handlungen. Das wäre fatal und würde die Spannung töten. Ich denke, man sollte jeden opfern, der geopfert werden muss. Auch wenn es schmerzt.

Der Ort des Geschehens aus „Die dunkle Talion“ Saint-Lemis ist fiktiv, doch Marseille existiert natürlich. Warst Du für Recherchezwecke vor Ort?

Nein, war ich nicht. Ich war zwar in Frankreich, aber ... ich darf das gar nicht laut sagen ... mir war es zu mühsam, nach Marseille zu fahren. Stattdessen habe ich Zeitungsartikel, Reiseberichte und den Izzo gelesen. Ich werde das aber nachholen. Ich habe mich in Marseille ein wenig verguckt.

Die nähere Zeitgeschichte Frankreichs und Algeriens hast Du bravourös recherchiert und in die Geschichte des Buches einfließen lassen. Da gibt es sicher noch viel weiteres Material. Wird es ein Sachbuch zum Thema geben? So wie es z.B. Frank Schätzing mit „Der Schwarm“ und später „Nachrichten aus einem unbekannten Universum“ getan hat?

Dankeschön. Nein, mit Sicherheit nicht. Die Geschichte ist sehr gut erfasst, ob in Onlinemedien oder Print. Das lässt sich alles nachlesen. Da wäre ich auch nicht der Erste.
Natürlich gibt es noch Material, aber aktuell nichts, was ich verpacken möchte. Momentan geht es anders weiter. Obwohl mir die Leserunde einen dritten Teil schon sehr schmackhaft gemacht hat.


Welcher Charakter aus Deinem Buch ist Dir zuerst im Kopf herumgeschwirrt? Oder war es zuerst die Geschichte selbst?

Ranfort. Er ist der Startcharakter aus dem ersten Teil. Auch wenn er hier nur eine Nebenrolle spielt. Aber um ihn drehen sich die Bücher. Und Revian. Den wollte ich unbedingt dabeihaben. Der Superbulle. Alleine deshalb wäre ein dritter Teil so reizvoll. Die beiden ...


Wann und wo schreibst Du am liebsten? Wie sieht Dein Schreibplatz aus?

Am liebsten vormittags. Ich bin kein Nachtschreiber. Mein Favorit ist der Zug. Aber ich habe das Gefühl, dass ich nicht den ganzen Tag hin und- herfahren kann.
So schreibe ich an meiner Arbeitsstelle. Dort habe ich ein Büro, wo ich ungestört arbeiten kann. Wenn ich frei habe oder am Feierabend.

Wo wird Dein nächstes Buch spielen?

Ein Thriller im besetzten Österreich um 1950. Da arbeite ich gerade ein Konzept aus.

Muss man als Autor die Schauplätze lieben oder eine bestimmte Beziehung zu ihnen haben?

Ich liebe weniger die Schauplätze als ihre Geschichte. Die stellen für mich mehr ein Instrument dar. Den Pizzateig, wenn man so will. Aber eine Grundlage, die man nicht unterschätzen darf. Ich kenne viele Plätze, über die ich geschrieben habe, nur aus der Luft oder von Street View. Das kann reichen. Bis jetzt hat sich noch niemand beschwert. Ich glaube, die Vorstellung ist in diesem Punkt auch mächtiger als das Wissen. Frei nach Dennis Lehane. Plätze verändern sich ja auch. Ich habe mir gerade historische Fotos von Salzburg angesehen. Da ist vieles gleich und doch anders.

In einem Interview hast Du mal gesagt, Kollegen ermuntern Dich, einen Medizin-Thriller zu schreiben, gibt es da schon konkretere Pläne?

Absolut. Der ist fertig und sucht nach einem Verlag.

Herzlichen Dank für dieses schöne und informative Interview!


Bereits von Wolfgang Haupt erschienen sind folgende Werke:

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