Dienstag, Dezember 08, 2015

Weihnachten in Schweden

Was ist unterschiedlich zum deutschen Fest


Da möchte ich mit der Adventszeit beginnen zu erzählen, denn am 13. Dezember wird das Luciafest begangen, ein großer vorweihnachtlicher Festtag in Skandinavien. Es beginnt am Morgen mit einem festlichen Gottesdienst. Die Mädchen tragen weiße Gewänder, eine Kerze in der Hand. Eine örtliche Lucia wird vorab gewählt (riesige Aktion mit der Tageszeitung), sie trägt zudem einen Kerzenkranz auf dem Kopf. <01> Zu dem Zug gehören auch Jungen, sie sind als Sternenknaben ("stjärngossar"), Pfefferkuchenmännchen ("pepparkaksgubbar") und Wichte ("tomtar") <02> verkleidet. Nach dem Einzug der Kinder in die Kirche beginnt eine Zeremonie, mit kirchlichen, weihnachtlichen Liedern – den Lucialiedern. Im Anschluss gibt es „Lussekatter“ <03>, eine Art Rosinenbrötchen mit Safran gewürzt, zu essen, dazu wird „Glögg“ <04> getrunken, ein Glühwein, der zu diesem Anlass natürlich in der alkoholfreien Variante serviert wird. Glögg wird heiß in kleinen Gläsern oder Tassen serviert, hinein gibt man einen Mix aus Mandeln und Rosinen. Für alle diejenigen, die nicht so früh morgens aufstehen möchten, wird im staatlichen Fernsehen „SVT“ auch immer eine besondere Messe übertragen, dort sind dann populäre, schwedische Künstler zu Gast, in diesem Jahr wird von 07:45 bis 08:45 Uhr aus der „Örgryte nya kyrka“ in Göteborg gesendet.



In der zweiten Adventswoche werden von der Post zusätzliche Postkästen aufgestellt, neben den originären gelben sind diese rot <04a> und für die Weihnachtspost gedacht. Denn es ist noch eine große Tradition, Weihnachtskarten an seine Lieben zu versenden. Vorab gibt es von der Post eine Art Papiertasche, in die man alle seine Karten hinein gibt, so hat es die Sortierung im Amt später leichter. <05>

Zur Weihnachtsdekoration sei gesagt, dass neben dem Weihnachtsbaum <06> auch immer ein „Julbock“ (eine Ziegenbock-Figur aus Stroh) <07> zum festen Bestandteil gehört. Die Tradition des Julbock ist lang, denn in ganz alter Zeit hat er die Geschenke gebracht, doch seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts tut dies der „Jul-Tomte“ <08>, der schwedische Weihnachtsmann. Ansonsten dienen zur Deko viele Lichterketten <09>, Kerzen, Lametta, Adventsleuchter <10> und Lichtsterne <11> für die Fenster.

Der 23. Dezember wird in Schweden „Lillejulafton“ (Kleiner Heiligabend)genannt, an diesem Tag werden die Speisen für den Heiligen Abend vorbereitet und am Abend gibt es eine große Bingo Show <12> im Fernsehen, die letztes Jahr fast zwei Millionen Menschen geschaut haben, neben dem eigentlichen Bingo-Spiel treten viele schwedische Stars auf; die Show ist weihnachtlich gestaltet.

Anders als in Deutschland ist der 24. Dezember, „Julafton“ genannt, der Hauptfeiertag zu Weihnachten, danach folgen in der Rangfolge der erste und zweite Weihnachtstag. Julafton ist ein Familienfeiertag, hier kommt die ganze Familie zusammen und gemeinsam isst. Umgangssprachlich wird der Julafton auch „dopparedan“ (doppar = dippen, dan= Slang für „dag“ wie Tag) genannt, denn eine – wie ich finde nicht ganz so schöne - der schwedischen Traditionen ist es, eine Scheibe Brot in der noch warmen Flüssigkeit, in der der Weihnachtsschinken zuvor gekocht wurde, zu tunken und genüsslich zu verspeisen und dies tut man gewöhnlich am Morgen des 24. Dezember zum Frühstück. <13>

Ganz wichtig ist für die Schweden, egal ob Groß oder Klein, das nachmittägliche TV-Programm im staatlichen Fernsehen. Um 14:55 Uhr startet es mit einem „julvärd“, ein Prominenter übernimmt hierfür den Job eines klassischen Fernsehansagers und präsentiert das folgende Programm; zuerst liest er dazu eine kurze Geschichte und zündet die Kerzen an, daraufhin folgt „Kalle Anka och hans vänner önskar God Jul“ <14> übersetzt: Donald Duck und seine Freunde wünschen Dir eine Frohe Weihnacht. Dies ist eine Walt Disney Episode, die im Jahre 1958 produziert wurde. Gefolgt von den zwei Filmen: „Kan du vissla Johanna?“ (Kannst Du pfeifen, Johanna?) <15> und „Sagan om Karl-Bertil Jonssons julafton“ (Die Geschichte um Karl-Bertil Jonssons Heiligabend) <16> ist dies das alljährliche Heiligabend Programm. In Schweden sehen dies nahezu 3,8 Millionen Zuschauer jedes Jahr.

Traditionelle Speise ist das „Julbord“ <17> ein großes Weihnachtsbuffet mit: mariniertem Hering, Kartoffeln, „Julskinka“ ein Weihnachtsschinken, der erst gekocht und ferner gebacken wird, „Köttbullar“ den schwedischen Fleischklößchen, „Jul-Sylta“ eine Weihnachts-Sülze, „Jul“-Wurst, „Prinskorv“ ein Mini-Wiener Würstchen etwas anders gewürzt, „Janssons frestelse“ (übersetzt Janssons Versuchung - ein Kartoffel-Gratin mit Sardellen), „Ris à la Malta“ (ein Reispudding, mit Sahne verfeinert und Mandarinchen aus der Dose), Eier, Käse, Salate (wie Rote-Bete-Salat und „Mimosasallad“ ein Salat mit Fruchtcocktail aus der Dose und Mayonnaise) und verschiedene Sorten Brot (ganz wichtig ist ein „Vörtbröd“ <17a>, ein Gewürzbrot mit Malz, Nelken, Zimt, Ingwer, Kardamom und Rosinen). Dazu serviert man Bier, „Svagdricka“ <18> eine Art Malzbier mit leichtem Alkoholgehalt, „Julmust“ <19> (eine Kräuterlimonade die ganz Schweden liebt, der Verkauf startet kurz vor dem ersten Advent) und Schnaps <19a>, den man nach all diesen Speisen so dringend braucht wie einen guten Kaffee. Die großen schwedischen Kaffeeröstereien bieten speziell zu den Feiertagen eine starke Röstung an, den „Julkaffe“ <20>. Sehr beliebt sind zur Weihnachtszeit auch Schokoladenpralinen, von großen Anbietern <21>.

Auch in Schweden gibt es Mitternachtsmessen am Julafton, meistens um 23:00 Uhr. Übertagen wird aber auch die Papst-Mitternachtsmesse um 22:00 Uhr live aus Rom <22>. Am ersten Weihnachtstag geht man frühmorgens, um 07:00 Uhr, in die „Julotta“. Die Julotta ist eine schwedische Messe, in der man die Zeit der Geburt von Jesus Christus feiert. Jul bedeutet ja Weihnachten, Otta ist die Zeit, vor dem Morgengrauen.

Am ersten Weihnachtstag werden die Reste des Julbord verspeist und am zweiten Weihnachtstag hat es sich so eingebürgert, sich eine Pizza zu bestellen; die Schlangen in den Pizzerien sind dann sehr lang. Der zweite Feiertag ist darüber hinaus auch wieder offen für Freunde und nicht mehr ein reiner Familienfeiertag, wie es der 24. sowie 25. Dezember sind.

Das eigentliche und ultimative Ende des Weihnachtsfestes wird jedoch am "Trettondedag jul" übersetzt 13. Tag der Weihnacht, in deutsch auch Erscheinung des Herrn oder Dreikönigstag, also am 06. Januar gefeiert. 


Photoquellen: wikipedia, sverigesradio oder auf dem Bild benannt.


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