Freitag, November 06, 2015

Der Engel von Graz von Robert Preis

Tristes Graz


Der Ermittler Armin Trost ist gerade eben noch mit der Aufklärung des plötzlichen Verschwindens seines Kollegen beschäftigt, da wird er zu einem Leichenfund gerufen. In einem Freilichtmuseum wurde eine ermordete Frau gefunden, der man das Herz entfernt hat. Bald soll sich herausstellen, das dies erst der Anfang einer Serie ist. Keine leichte Aufgabe für Trost, der an seine eigenen Grenzen angelangt zu sein scheint.










Schreibstil und Sprache in diesem Kriminalroman sind nicht so flüssig, wie ich das erwartet hatte, zudem langsam im Tempo. In den ersten Kapiteln wird der Leser außerdem erdrückt von Informationen um die Hintergründe der Figuren. Der Protagonist hat seine eigenen Probleme, projiziert diese in den Fall? Graz erscheint mir zu trist, nahezu surreal. Ebenso die Charaktere, sie sind dunkle, undurchschaubare Akteure und davon viele. Der Stil des Autoren kann mich nicht wirklich mitnehmen, ich vermisse eine Struktur. In den Dialogen sind die Sätze teilweise nicht vollendet, alles erscheint mir nicht rund zu sein. Andererseits habe ich das Gefühl, der Autor bemüht sich, anspruchsvoll zu schreiben, mir nimmt er damit aber etwas von der Leselust. Erschwerend kommt hinzu, dass mir das Buch streckenweise langatmig erscheint, denn einzelne Szenen sind unnötig in die Länge gezogen. Das stört alles in allem meinen Leserhythmus. Ein weiterer Minuspunkt ist die Vorliebe des Autoren, klischeehafte Äußerungen einfließen zu lassen, über Animositäten unter den Bundesländern Österreichs sowie seiner Nachbarstaaten: kein Österreicher mag die Wiener, kein Steirer mag die Grazer, die Kärntner haben einen dummen Dialekt, die Grazer reißen Witze über die Burgenländer, die Schweizer sind lahm, die Deutschen sind strebsam – das möchte ich in einem Kriminalroman nicht lesen, auch nicht, wenn es sich um einen Heimatkrimi handelt. Letzte Anmerkung: Bei jedem Leichenfund wirft sich das Polizeiteam untereinander Pietätlosigkeit vor, ich sehe darin keinen Sinn.

Wegen all dieser Kriterien vergebe ich dem Buch zwei von fünf möglichen Sternen, denn für mich erscheint es weniger gut zu sein. Ich möchte jedoch zu bedenken geben, dass dies der dritte Fall in einer Serie ist. Vielleicht hätte ich mit dem ersten Buch der Reihe starten sollen, um den Protagonisten Armin Trost, seine Psyche sowie den Erzählstil des Autoren besser verstehen zu können. Mir ist auch bewusst, dass die Reihe durchaus über Fans verfügt, mich konnte dieser Band jedoch nicht überzeugen. Nebenbei verspricht der Klappentext die dunkle Seele von Graz und stellt die Frage wie nah sich Himmel und Hölle wirklich sind, das Buch hat mir keine Antworten gegeben.





Kommentare:

  1. Liebe Angi,

    dieses Buch war auch nicht ganz nach meinem Geschmack. Ich fand den Schreibstil schon anspruchsvoll und gut, aber die Geschichte hat mich nicht gefesselt.

    Viele Grüße

    Nisnis

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  2. Liebe Nisnis, mich ärgert am meisten, dass der Klappentext so sehr abweicht und viel mehr verspricht, als das Buch halten kann ... Liebe Grüße zurück! Angi

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